So schnell gehts: Statt auf Löwen, Geparden, Nilpferde und Elefanten blicke ich wieder auf meine zwei Stubentiger und nippe an einem Cappuccino.

Malawi war überwältigend. Bezaubernd. Und irritierend zugleich.

Da ist einerseits die unbändige und ansteckende Lebensfreude der Menschen.  Und andererseits dieser seltsame Gleichmut, mit dem das Land auf den stetig wachsenden Berg der Herausforderungen zu reagieren scheint.

Eine der grössten Herausforderungen Nation ist zugleich deren grösster Stolz: Die Kinder. Oder besser: die Zahl der Kinder.

5,5 Kinder (Stand 2013) bringt jede Frau im Durchschnitt zur Welt. Das ist zwar weniger als auch schon, aber immer noch genug, um das rasante Bevölkerungswachstum weiter zu befeuern. 16,3 Millionen Menschen lebten 2013 in dem kleinen südostafrikanischen Land, inzwischen dürften es 17 Millionen sein. Damit hat sich die Einwohnerzahl in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt.

Klassengrössen von gegen 100 Kids sind deshalb keine Seltenheit, wie das Beispiel der Schule in Phalombe im Süden des Landes zeigt. Dort habe ich mit einer Gruppe um Dr. Christoph Knoblauch das Holy Family Hospital besucht. Das Spital wird vom Schweizer Verein Pro Phalombe (pro-phalombe.ch) unterstützt.

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Wer weiss die Antwort? Eine Klasse mit Primarschülern in Phalombe.
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„Uli ndi zka zingati?“ – „Wie alt bist Du?“ Christoph begrüsst ein paar Jungs.

Begünstigt wurde das  Bevölkerungswachstum ausgerechnet von der Aids-Epidemie. Als das HI-Virus in Malawi explosionsartig auszubreiten begann, rückten die Bemühungen, die Geburtenrate nachhaltig zu senken, in den Hintergrund.

Das Ausmass der Aids-Pandemie wird einem schlagartig klar, wenn man im Holy Family Hospital diesen Schrank öffnet:

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Archiv mit Meldungen über positive HIV-Test.

Die Ordner darin sind mit tausenden von Formularen gefüllt, auf denen die Daten jener Patienten vermerkt sind, die in den letzten Jahren allein im Holy Family Hospital positiv auf HIV getestet wurden. Landesweit sind  mehr als 10 Prozent der 15- bis 49-Jährigen HIV-positiv.

Grosse Fortschritte in der Aids-Bekämpfung sind  der Clinton Foundation zu verdanken. Sie hat vor zwölf Jahren die Pharmaindustrie dazu gebracht, antiretrovirale Medikamente in Ländern,  die am stärksten von Pandemie betroffen sind, massiv günstiger zur Verfügung zu stellen. Statt 10000 Dollar wie in Europa kostet die Therapie so pro Jahr und Patient noch 140 Dollar. Dank Spenden erhalten die Betroffenen – wie die Frau und ihr Kind im nächsten Bild – ihre Medikamente gratis.

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Eine Aids-Patientin erhält im Holy Family Hospital ihre Medikamente für die nächsten drei Monate.

Man könnte denken, in einem Land wie Malawi müssten im Präsidentenpalast Tag und Nacht die Lichter brennen – gerade in diesen Tagen, in denen den Menschen langsam aber sicher das Essen ausgeht und die Stromausfälle länger werden als die Abschnitte mit Licht. Aber nichts da: Mitte September flog Präsident Peter Mutharika nach New York. Am 20. September hielt der 76-Jährige vor der Uno-Generalversammlung eine Rede – und ward nicht mehr gesehen. Gestern erst landete ein Privatjet mit dem Präsidenten an Bord in Lilongwe – es gab einen grossen Empfang, aber keine Erklärungen.

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Präsident Mutharika bei seiner Ankunft am 15. Oktober in Lilongwe (Bild: nyasatimes.com).

Hat er in einem US-Spital die rechte Schulter operiert? Darauf schien die Tatsache hinzudeuten, dass er zum Gruss die linke Hand hob. 1,6 Millionen Dollar soll der Trip des Mutharika-Trosses nach New York gekostet haben. Das ist, ganz grob gerechnet, ein Dreitausendstel des malawischen Bruttoinlandsprodukts. Zum Vergleich: Würde Bundespräsident Johann Schneider-Ammann anteilsmässig gleichviel für eine Auslandreise verbraten, käme diese den Schweizer Steuerzahler auf mehr als 200 Millionen Franken zu stehen.

Kulturimperialismus? Ok, lassen wir das Stänkern.

Loben wir lieber  die Landesschönheiten. Keine faszinierte mich mehr als Hippopotamus amphibius – das Nilpferd. Ein paar tausend davon schieben ihre massigen Leiber (bis 2 Tonnen) durch den Shire im Liwonde National Park.

Schön den ganzen Tag im Pool liegen, nach Sonnenuntergang nichts als Futtern – sie lassen es sich gutgehen, die Hippos!

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Fehler Nummer 1: Einem Hippo zu nahe treten.

Manchmal rennen sie einfach aus schierer Lebensfreude mit vollem Karacho vom Ufer ins Wasser, während die Meute, die schon da liegt, fröhlich quietscht.

Entgegenstellen sollte man sich ihnen keinesfalls: Hippos rennen alles über den Haufen, besonders, wenn sie ihren Nachwuchs bedroht sehen.

Schier unglaublich ist die Bandbreite der Hippo-Sprache: Vom Grunzen, Wiehern, Brüllen und Schnauben sind alle erdenklichen Spielarten zu hören.

Ich habe deshalb die Nächte im Bush-Camp im benachbarten Sambia unglaublich genossen, obwohl an ungestörten Schlaf nicht zu denken war. Schätzungsweise alles 20 bis 30 Minuten hob die Hippo-Truppe zu einem baritonstarken Weckkonzert an.

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Blick vom Schlafzimmer auf Familie Hippo.

We’ll be back!

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